© Mag. Werner Kräutler, 2018. Alle Rechte vorbehalten. Verwendung von Texten und/oder Bildern nur nach schriftlicher Zustimmung des Verfassers. Email: wkrautler@gmail.com

Die Westgoten an der Via de la Plata

Die Goten und insbesonders die Westgoten hatten bereits eine schillernde Vergangenheit hinter sich als sie aus ihren Siedlungsgebieten um das heutige Toulouse mit dem Ziel Iberische Halbinsel aufbrachen. Ursprünglich stammten die Goten aus Südskandinavien, zogen aber in Südosteuropa ihre 'vernichtenden' Kreise. Sie waren für ihre Kampfkraft aber auch für die Brutalität bekannt.  Um das Jahr 291 n.Chr. trennten sich die Goten in Ost- und Westgoten.

 

Die Römer wollten die aggressiven Westgoten in ihr Reich einbinden, wissend, dass diese gute Krieger waren. Verschiedene Vorfälle sorgten dafür, dass die Westgoten ihre römischen Widersacher in der Schlacht bei Adiranopel (378 n.Chr.) vernichtend schlugen. Anschließend wandten sie sich dem Westen zu, also dem heutigen Italien, Frankreich und Spanien. Bekannt wurden die Westgoten und ihr legendärer Führer Alarich deshalb, weil er als einer der wenigen Rom eroberte. Das war im Jahre 410. Die Stadt wurde bis auf das letzte Hemd geplündert, alles Gold und alle bewegliche Habe, die sich in Rom befanden wurden requieriert und weggeschleppt. Aber im selben Jahr starb Alarich und wurde im Fluß Busento begraben. Die Westgoten zogen in den kommenden Jahren dann wiederum über Südfrankreich und Spanien plündernd und brandschatzend bis nach Gibraltar, mussten sich aber aufgrund von Versorgungsschwierigkeiten wieder nach Südfrankreich zurückziehen. 

In ihrem eigenen Reich aber wurde die Gefahr immer größer. Der Frankenkönig Chlodwig eroberte weite Teile des tolosanischen Reiches. 507 n. Chr. schließlich kam es zur endgültigen Konfrontation zwischen den beiden Mächten. Bei Vouillé, nahe Poitiers, wurde die Entscheidungsschlacht ausgetragen. Alarich II. verlor Schlacht, Reich und Leben. Die verbliebenen Westgoten zogen sich weit nach Spanien zurück und errichteten dort ihr 'toledanisches Reich' mit der Hauptstadt Toledo. Allein, sie hatten ihre weltgeschichtliche Bedeutung schon verloren.

Anfang des achten Jahrhunderts endete schließlich das westgotische Zwischenspiel auf der Iberischen Halbinsel. Weil sie sich auf keinen neuen König einigen konnten brach ein Bürgerkrieg unter den Goten aus, was wiederum die Araber anlockte. Der letzte König der Westgoten, Roderich (oder Rodriguez) hatte keine Chance mehr, das Reich zusammenzuhalten und die Herrschaft zu retten. Schließlich wurde Spanien von den Mauren überrannt, das toledanische Reich zerstört und die letzten Goten in alle Winde zerstreut.

 

Von historischer Bedeutung ist kein König und kein Heerführer der Westgoten. Es ist ihr Bischof Wulfila, der 341 n.Chr. in Konstantinopel zum Bischof geweiht wurde. Mit ihm begann die Bekehrung der Westgoten zum Christentum. Sein historisches Projekt ist die Übersetzung der Bibel ins Gotische, wobei Wulfila zuerst eine Schrift entwickeln musste, die sich jedoch am griechischen Alphabet anlehnte. Erhalten sind Teile der Übersetzung des Neuen Testaments im 'Codex Argenteus'. 

Santa Lucía del Trampal wurde offenbar an der Stelle eines römischen Tempels errichtet. Der Grundriß entpsricht einem Tau-Kreuz und ist mit drei Apsiden in byzantinischer Tradition errichtet.

Bei Renovierungsarbeiten an der Kirche in den 80er Jahren des vorigen Jhdts. wurden über ein Dutzend Inschriften entdeckt, die der römischen Göttin Atacaina gewidmet waren. 

Die Hufeisenböge wurden später eingefügt, als die Kirche einer Generalreparatur unterzogen worden war.

Die gotischen Spitzbögen gehen auf Reparaturmaßnahme zurück, die im 14. und 15. Jahrhundert erforderlich geworden waren.  

Auf der Via de la Plata wird man wenig Erinnerungsstücke an ein Volk finden, das einige hundert Jahre den Südwesten Spaniens beherrscht hatte: Die Westgoten. Ein Volk, dessen Spuren sich verloren haben. Denn die Westgoten haben kaum eigenständigen Schmuck entwickelt, sie imitierten die römischen Preziosen. Sie waren aber keineswegs arm wie Kirchenmäuse, denn was sie in Hülle und Fülle war Gold. Zusammengetragen in vielen Raubzügen. Ihr Staatsschatz war folgedessen legendär und ihre Kirchen brüsteten sich damit, die kostbarsten Kultgefäße zu besitzen. An der Via de la Plata ist vor allem eine Kirche erhalten, die aus der Westgotenzeit stammt: Santa Lucía del Trampal in Alcuéscar. Einen Besuch dieses wunderschön gelegenen Kirchleins möchte ich unbedingt empfehlen.

Mein Tipp für Interessierte: in Mérida gibt es eines der ganz wenigen Westgoten (Wisigot) -Museen, in dem auch die oben abgebildete Stele und die Marmorarbeit links ausgestellt wird. Ein Besuch ist äußerst lehrreich, wenngleich die Ausstellungsstücke aus den o.e. Gründen nicht atemberauben sind. Hier geht's zur Website des Museums: https://goo.gl/k4FAPr

Die Westgoten hatten vermutlich keine wirklich eigenständige Kunst entwickelt. Der Mangel an westgotischen Schmuckstücken - sie legten Gold meist in Schätzen an - verhinderte die Entwicklung eines eigenen Stils.

Die Westgoten verwendeten nicht allzu selten Steine aus Vorgängerbauten. Wie vermutlich diesen wunderbaren Block aus Carrara-Marmor. Wenn es ein Erkennungsmerkmal gibt, dann sind es Halbbögen in den Skulpturen.

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