© Mag. Werner Kräutler, 2018. Alle Rechte vorbehalten. Verwendung von Texten und/oder Bildern nur nach schriftlicher Zustimmung des Verfassers. Email: wkrautler@gmail.com

Die Mauren an der Via de la Plata

Die Eroberung des heutigen Spanien durch die Mauren Anfang des 8. Jahrhunderts war das Ergebnis eines Streits unter den Westgoten. Als der Berberführer Tariq Ibn Ziyad im Sommer 711 mit 7.000 Mann in Gibraltar landete, stand er ursprünglich 100.000 westgotischen Kämpfern gegenüber. Von inneren Streitereien zerrissen, brach das Westgotenheer auseinander. Auch die neue Kampftaktik der Mauren auf schnellen Pferden und mit leichter Bewaffnung sorgte dafür, dass die in schwerer Rüstung kämpfenden Westgoten innerhalb kürzester Zeit mehrere Niederlagen hinzunehmen hatten. Entscheidend war die Niederlage bei Jerez de la Frontera. Und die reiche Beute war es, die weitere muslimische Kämpfer anzog. Vorerst kämpften sie sich bis zum Guadalquivir und später bis zur westgotischen Hauptstadt Toledo vor. 713/14 eroberten sie Salamanca, Saragossa, Barcelona, León, überschritten erstmals die Pyrenäen und wurden 732 von Karl Martell ("der Hammer") bei Poitiers geschlagen. Die Iberische Halbinsel selbst war in weniger als 3 Jahren erobert worden.

Einer der Hauptgründe für das unaufhaltsame Vorrücken des Islam war die Schreckensherrschaft der Westgoten. Die "Mauren" (so genannt, weil unter den neuen Herrschern viele Berber aus dem Atlasgebirge stammten, die im Lateinischen 'Mauri' genannt werden) schafften es, die Bevölkerung von den drückenden westgotischen Lasten zu befreien. Es gab keinen namhaften Widerstand gegen die muslimischen Eroberer, da diese den Menschen bessere Bedingungen einräumten. Eroberte Völker wurden im Islam damals sogar bevorzugt behandelt. Zudem gewährten die Mauren Religionsfreiheit, die  Gotteshäuser der einzelnen Religionsgemeinschaften wurden nicht zerstört. Allerdings mussten alle Religionen aus ihrer Mitte einen Vorsteher wählen. Nur für die katholische Geistlichkeit war der Machtverlust enorm, wurden doch die Bischöfe jetzt vom Emir ernannt. Und der ließ diese Würde in der Regel versteigern, sodass der Meistbietende, sei er auch Jude oder Moslem die Würde erlangen konnte.

Mit der Eroberung von Sevilla und Córdoba (756) begann der Aufstieg des islamischen Spaniens, vor allem aber von Al Andalus. Und 976 war das eigentliche islamische Spanien geschaffen. Immer noch dem Kalifat von Baghdad unterstehend, hatte sich dort eine erkenntnisorientierte Wissenschaft entwickelt, die die Entwicklung der abendländischen Wissenschaften maßgeblich beeinflussen sollte. Mit der Ausrufung des Kalifates von Córdoba wurde die Stadt 926 zum Zentrum des islamischen Spanien, was heute noch durch die "Mesquita", einst eine riesige Moschee, dokumentiert wird. Um 961 war Córdoba die volkreichste und wohlhabenste Stadt Europas. Spanien war damals die Hauptstadt des feinen Lebensgenusses und der Wissenschaft und Künste. Christliche Reisende berichteten von gepflasterten Straßen, die Nachts sogar beleuchtet waren, von fließendem Wasser in den Häusern und von Kristallglas. Aber auch von den Gewürzen, die hier angepflanzt wurden wie Safran, Koriander, Zimt, Muskat und Nelken.

 

Das Ende der maurischen Herrschaft in Spanien war schrecklich. 1492 fielen Córdoba und Granada nach 11jährigem zähen Widerstand an Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien. Der letzte Maurenkönig floh in sein Asyl in Marokko. Im Anschluss daran wurde jene Politik exekutiert, die die folgenden Jahrhunderte prägen sollten: Feuer und Schwert. Beispiellose Barbareien gegen die maurische Kultur, die Verbrennung von mehr als 1 Million Bücher - vor allem aus Wissenschaft und Kultur - und die Gründung der Inquisition waren die Folgen dieser brutalen Machtausweitung der 'christlichen' Könige Spaniens. Entgegen aller vorheriger Versicherungen wurden Juden und nichtchristliche Araber umgebracht, vertrieben oder zwangschristianisiert. Konvertiten, die Kontakt zu ihren früheren Glaubensgenossen hielten, wurden auf Scheiterhaufen verbrannt. Diese brutalen Gewaltakte waren mit einem riesigen Verlust von Wissen und Können verbunden. Spanien verlor seine ökonomische Machtstellung und hat sich von den Folgen des Fanatismus und der Intoleranz seiner Herrschenden bis heute noch nicht erholt. 

 


 

Pilgersleute, die die Via de la Plata von Cádiz aus in Angriff nehmen, stoßen nicht nur auf architektonische Zeugen der einstigen maurischen Hochblüte Spaniens, vor allem aber Andalusiens. Denn die Spuren sind vielfältig und reichen vom Flamenco über die Pferdezucht bis hinein in die ausgeklügelten Bewässerungstechiken der Muslime. 

In vielen Reise- und Pilgerführern wird die maurische Epoche der spanischen Geschichte nur unzulänglich behandelt.  Und das, obwohl während der Herrschaft der Emire und Kalifen auch - und vor allem - europäische Geistesgeschichte geschrieben worden ist. Die heutige Stellung der abendländischen Wissenschaften ist ohne die grundlegende Vorarbeit muslimischer Gelehrter schlicht und einfach undenkbar. Zudem könnte die religiöse Toleranz der Maurenherrscher heute noch ein Vorbild für die diversen Bekenntnisse sein. Ist sie aber nicht: die katholischen Herrscher besiegten die Mauren 1492 endgültig und trachteten anschließend, die Erinnerung an diese Zeit auszulöschen. Besser gesagt: auszubrennen. Übrigens: die Installierung der Inquisition geht auf diesen Rachefeldzug zurück. (Wer sich genauer über die maurische Epoche der spanischen Geschichte informieren will findet hier eine gute Zusammenfassung mit Schwerpunkt auf die muslimische Herrschaftsgeschichte: https://www.students.uni-marburg.de/~Schmeer/mauren.html#Eroberung)

Das Kalifat von Cordoba war unbestritten eine Hochblüte europäischer Kultur. Im Bild: die Römerbrücke und die 'Mesquita', die alte Moschee Cordobas im Hintergrund.

Das einstige Minarett dieser gewaltigen Moschee. Auch dieses Minarett ist jenen Minaretten nachempfunden, die im heutigen Marokko stehen, wie zum Beispiels das Minarett von Marrakesch.

Der Betsaal ist durch Hufeisenbögen in 19 etwa gleich hohe Schiffe mit bis zu 36 Jochen aufgeteilt. Seit 1984 gehört die Mezquita-Catedral zum UNESO-Weltkulturerbe. 

Die Kathedrale ist 179 m lang und 134 m breit und hat eine Grundfläche von mehr als 23.000 m2. Das Merkmal sind die übereinander liegenden Hufeisenbögen, die auf 856 Säulen stehen.

Der Alcázar von Sevilla. Der im mozarabischen Stil erbaute Palast basiert auf einem arabischen Fundament, wurde jedoch von König Pedro I. in der heutigen Form errichtet.

Ein Innenhof des Aldázar von Sevilla. Wasser in Form von Springbrunnen undTeichen nahm in der maurischen Architektur eine herausragende Stellung ein. 

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