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Römische Bauwerke an der Via de la Plata

Allein das römische Erbe Spaniens ist es Wert, auf der Via de la Plata zu pilgern. Nie hätte ich mir vorstellen können, welche architektonischen Meisterleistungen zwischen Cádiz und Santiago de Compostela bis auf den heutigen Tag überlebt haben. Es darf durchaus behauptet werden, dass die Römer 'für die Jahrtausende' bauten. Ich möchte meinen Leser_innen auf dieser Seite einige jener Bauwerke vorstellen, die mich auf meiner Pilgerfahrt tief beeindruckt haben. Die meisten davon befinden sich in den unten beschriebenen drei Städten bzw. Orten. Mein Tipp: Legt doch zumindest hier einen Ruhetag ein. Mehr über das Erbe der römischen Zivilisation gibt es kaum irgendwo zu sehen. Ihr werdet es nicht bereuen.

Die reste des einst riesigen Kolosseums von Italica (Santiponce) 

Hier lebten die Gladiatoren

Italica (Santiponce) - die Römerstadt vor den Toren Sevillas 

Schon kurz nach der andalusischen Metropole Sevilla sollten sich kulturaffine Pilgersleute etwas Zeit nehmen. Denn nach rund 2 Stunden Pilgerswanderung eröffnet sich die römische Welt der Plata: Italica, eine der berühmten Städte des römischen Reiches. Sie geht auf die Gründung eines Lazarettes während der Punischen Kriege 206 v. Chr. zurück, in dem verwundete Legionäre nach der Schlacht bei Ilipa (dem heutigen Alcála del Rio, einige Kilometer nördlich von Sevilla) gepflegt wurden. Die Stadt gewann in der Folge strategische Bedeutung als Bollwerk gegen die anstürmenden Karthager.

 

Die Stadt brachte zwei Kaiser hervor: Trajan und Hadrian. Marcus Ulpius Traianus (Traian, 53-117 n.Chr.) war der erste römische Kaiser, der aus einer römischen Provinz stammte. Sein Nachfolger, Publius Aelius Hadrianus (Hadrian, 76-138 n.Chr.) war sein Nachfolger und verbrachte zumindest Teile seiner Jugend in Italica. Allein das zeigt schon die Stellung von Italica als Verwaltungszentrum und damit verbunden einer herrschaftlichen Lebensweise in der Stadt. Als Beleg dafür gelten die vielen Fußboden-Mosaike, die heute noch zu sehen sind und vom Reichtum der Bewohner künden. Auch das noch erhaltene römische Amphi-Theater belegt den Rang der Stadt.

 

Dass von den einst stolzen und kühnen Gebäude heute relativ wenig übrig geblieben ist, ist deren Verwendung als 'Steinbruch' geschuldet. Und dennoch: bei einem Besuch der Ruinenstadt erhält man erstmals auf der Plata das Gefühl, in einer römischen Provinz zu sein.

Düstere Gänge im Kolosseum von Italica

Fußbodenmosaike Römischer Villen in Italica

Das Römische Museum in Mérida: Für Kulturinteressierte ist ein Besuch quasi Pflicht.

Das Trajans-Bogen in Mérida. Vielleicht teil eines Triumpfbogens, der aber in diesem Fall vermutlich Kaiser Tiberius gegolten hatte.

Das römische Theater mit seinen immensen Dimensionen

Das 2.000 Jahre alte Theater wird heute noch genützt.

Der Diana-Tempel in der Innenstadt von Mérida

Das Fotomotiv der Stadt schlechthin.

Mérida, die römische Stadt Augusta Emerita

Wer es nicht weiß, wird überrascht sein. Mérida ist das 'Klein-Rom' Spaniens. Über die ganze Stadt verstreut sind Sehenswürdigkeiten, wie man sie nur noch sehr selten zu sehen bekommt. Ich verweilte gleich zwei Tage in der Stadt am Guadiana-Fluss und habe mir diese wunderbare Stadt so richtig genossen. Zuerst empfehle ich Euch den Besuch des außergewöhnlichen Römer-Museums, dann sollten das römische Theater und das Amphitheater, das einstige Kolosseum folgen. Mérida verfügt auch über eine einzigartige Römerbrücke über den Fluss Guadiana und die Reste eines (vermutlichen) Triumphbogens. 

Einzigartig ist die Möglichkeit, eine römische Wasserversorgung zu studieren wie sie vor 2.000 Jahren gebaut worden ist. Dafür errichteten die Römer zwischen 100 und 150 n. Chr. eigens einen Staudamm im etwa 6 km entfernten Prosperina. Seine Dimensionen sind für uns heute unvorstellbar:  Die Mauer ist 400 Meter lang und bis zu 21 m hoch. Das Reservoir hat ein Fassungsvermögen von 5 Millionen m3. Von hier aus wurde das Wasser über eine etwa 10 km lange römische Wasserleitung und über insgesamt sieben Aquädukte weitergeleitet, wovon das monumentale ""Los-Milagros"-Aquädukt das größte ist. Endstation in der Stadt war das "Castellum aquae", das Wasserreservoir auf dem heutigen 'Cerro del Calvario'. Welch unglaubliche Baukünstler hier am Werk waren möchte ich an zwei Fakten fest machen: Einerseits an der Tatsache, dass das Wasser einen 'handgemachten' Tunnel im Granitgestein durchfließt, ha die Leitung andererseits ein spezifisches Gefälle. Die Neigung beträgt durchgehend einen Meter auf zwei Kilometer, die Maximumdurchflussmenge hat somit optimale 150 Sekundenliter betragen. Ich frage ich ernsthaft, wie die Römer das berechnen konnten.

Für die Liebhaber klassischer Architektur dürften das römische Theater und die römische Arena von großem Interesse sein. Aber auch der zierliche Diana-Tempel, der in der Stadtmitte von Mérida errichtet worden ist. Übrigens in unmittelbarer Nähe des Forums, das in Teilen noch zu besichtigen ist. 

In Mérida ist auch die längste aus der Antike erhaltene Bogenbrücke zu bewundern. Vor 2.000 Jahren überspannte sie den Guadiana-Fluss mit 62 Bögen auf einer Gesamtlänge von 755 m. Heute ist sie 721 m lang und ruht auf 60 Bögen, von denen drei in der Uferaufschüttung verborgen liegen.

Der höchste der 7 Aquädukte Meridas quert auf 830 m das Flusstal des Rio Albarregas in maximal 25 m Höhe.

Die Staumauer am Lage di Prosperino aus der Römerzeit ist heute immer noch verwendbar.

Die Römerbrücke von Mérida...

...ist die längste noch existierende originale römische Bogenbrücke.

Die Römerstadt Cáparra

Sozusagen an der nördlichen Grenze der Extremadura zu Kastilien liegt die Römerstadt Cáparra. Dessen 'Arco de Cáparra' hat sich zu einem Markenzeichen der Via de la Plata entwickelt. Und das völlig zurecht.

Cáparra betritt die römische Geschichte 74 n.Chr., als es zum Municipium erhoben worden war. Die Siedlung mit dem Arco de Caparra erlebte im 2. und 3. Jahrhunder n.Chr. ihre Blütezeit. Dieser im 1. Jhdt. n.Chr. erbaute 'Turm' war kein Triumpfbogen, wie man glauben möchte. Es war vielmehr ein Ehrengeschenk des M. Fidius Macer an seine Eltern. 

Bei Ausgrabungen wurden in den letzten Jahren auch ein riesiges Forum, eine Therme und eine Arena freigelegt. 

Schon geraume Zeit vor Cáparra erahnt man die Römerstadt: die ebenen Flächen deuten auf alte Getreiefelder hin.

Cáparra mit seinem Wahrzeichen. Im Vordergrund wurde eine römische Therme ausgegraben.

Die Ausgrabungen in der ehemaligen Römerstadt zeitigen immer noch neue Erkenntnisse.

Der Arco de Caáparra war eine Ehrenbezeugung eines römischen Stifters an seine Eltern.

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